100 Tage GlobalUturn
Am 30. Juni ging diese Plattform in ihrer jetzigen Form online, und ähnlich wie in der Politik üblich möchten wir nun nach hundert Tagen ein vorläufiges Resümee ziehen. Wer hier im Blog den Werdegang verfolgt hat, weiß, dass die Vorarbeiten für GlobalUturn sich über ein Dreivierteljahr hinzogen und viele hundert Arbeitsstunden erforderten. Egal ob Design und Programmierung der Benutzeroberfläche, oder das Recherchieren, Schreiben und Korrigieren der Inhalte – fast alles wurde ehrenamtlich von einem sehr kleinen Team aus Freiwilligen und Freunden geleistet. Ich bin jedem von ihnen dankbar für ihr großartiges Engagement, für wertvolle Anregungen oder das Bemühen, uns in sozialen Netzwerken und anderswo bekannt zu machen.
Bekanntheit ist das erste Stichwort für dieses Resümee, das von gemischten Gefühlen geprägt ist. Es ist uns bisher nicht gelungen, einen nennenswerten Bekanntheitsgrad zu erreichen und die Besucherzahlen stagnieren auf einem bedauerlich niedrigen Niveau. In unserer Vision habe ich geschrieben, dass GlobalUturn am Ende dieses Jahres in mindestens drei Sprachen betrieben wird. Dazu wird es nicht kommen, denn keiner von uns hat Zeit und Kraft, die Inhalte ins Englische oder Spanische zu übertragen. Bis auf einen Gastbeitrag habe ich bisher alle Texte selbst geschrieben, was sehr zeitaufwendig war. Da ich meine Energie auf verschiedene Projekte verteilen muss und von November bis Januar beruflich und privat auf Auslandsreise bin, wird es mir unmöglich sein, diese Plattform weiterhin regelmäßig mit Beiträgen zu versorgen. Es wird hier also stiller werden.
Stille möchte ich als zweites Stichwort für dieses Resümee nehmen, denn zum Glück gibt es auch sehr erfreuliche Aspekte. Zwischen den vergleichsweise wenigen Nutzern dieser Plattform herrscht kein Schweigen, sondern es findet ein reger Austausch statt. Kluge, nachdenkliche oder empörte Kommentare und Forenbeiträge werden geschrieben, Links zu anderen Webseiten, zu Filmen und Audiobeiträgen werden gesetzt, fundierte Ansichten ausgetauscht. Es gab und gibt wertvolle Anregungen, um GlobalUturn besser zu machen, und einiges davon konnten wir verwirklichen. Auch für den inhaltlichen Bereich habe ich Unterstützung gefunden, dennoch wird die redaktionelle Arbeit vorerst wohl eher reduziert als ausgebaut.
Der Austausch zwischen den Nutzern sowie persönliche Kontakte haben gezeigt, dass GlobalUturn offene Türen einrennt, verschlossene aber gar nicht erst erreicht. Im Grunde sind alle bisherigen Nutzer der Plattform bereits in hohem Grade sensibilisiert für den bedrohlichen Zustand unseres Planeten und sorgen sich um die Zukunft aller Lebenwesen. Menschen, deren Problembewusstsein weniger stark ausgebildet ist, fühlen sich offenbar von den Inhalten dieser Plattform nicht angezogen, was nicht weiter überrascht. Auf meiner privaten Website läuft seit einigen Wochen eine Umfrage zu den Themen Klimawandel, Hunger und Terror. Fast zwei Drittel der Teilnehmer haben in Bezug auf eine lebenswerte Zukunft resigniert, und die mit 38,5 % am häufigsten gewählte Antwort lautet: Keiner handelt, jeder verdrängt die Wahrheit.
Die verbleibenden Wochen bis zu meiner Abreise werden wir nutzen, um die weitere Strategie von GlobalUturn festzulegen. Falls es uns jedoch nicht gelingt, mehr Menschen zur aktiven Mitarbeit zu gewinnen und die Plattform attraktiver zu machen, wird es hier in den nächsten Monaten ruhiger werden. Das bedauere ich zwar, muss mich aber mit der Realität abfinden.
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