Alles Gucci, oder was?
Nicht weit von meiner Wohnung liegt die Dortmunder Ricarda-Huch-Realschule. Neulich, an einem Spätsommertag, war ich auf dem Weg nach Hause und ging zufällig hinter ein paar Schülern her. Es waren drei Jungen und ein Mädchen, etwa zwölf bis vierzehn Jahre alt, und sie rechneten sich gegenseitig lautstark vor, was ihr jeweiliges Outfit gekostet hatte. Natürlich trugen alle nur Markenklamotten, soviel bekam ich schnell mit. Während ich die Gruppe auf dem Gehweg überholte, beendete ein Junge, der offenbar bei seinen Sneakers angefangen hatte, die Rechnung mit den Worten „Dreihundertzwanzig, und dann noch das Puma-Shirt, aber das hat nur zwanzig gekostet, is’ nämlich ein Fake.“ Schuhe, Hose, Shirt für insgesamt 340 Euro – so viel zahle ich monatlich an Miete und Nebenkosten für eine geräumige Zweieinhalbzimmerwohnung. Und das entspricht ungefähr dem durchschnittlichen Jahreseinkommen eines Menschen in Nepal.
Natürlich erinnere ich mich gut an die Zeit, als ich etwa so alt war wie diese Kids. Und an die Kämpfe mit meiner Mutter, die mich in einer babyblauen Feinkordhose zur Schule schickte, anstatt mir endlich anständige Bluejeans zu kaufen. Als ich schließlich genug gespart hatte, um mir selbst diesen Wunsch zu erfüllen, musste es selbstverständlich eine Wrangler sein. Ich erinnere noch, dass mich die ersten Jeans knapp sechzig Mark kosteten, gemessen an meinem Taschengeld ein mittleres Vermögen. Zum Glück war es in den Siebzigern chic, Jeans mit vielen Flicken zu tragen, damals hatten Hosen ein sehr langes Leben.
Was mich an der geschilderten Begegnung mit den Schülern eigentlich so erstaunt? Erstmal wie viel Geld sie am Körper trugen, und dann die Selbstverständlichkeit, mit der sie zugaben, dass ihre teuren Markenklamotten gefälscht waren. Sicher, ich kenne das Zeug von Reisen durch Asien. Auch in Kathmandu werden überall Artikel von Adidas, Nike, Puma, Reebok und anderen Marken zu Spottpreisen angeboten, und jeder weiß, dass es billige chinesische Fälschungen sind. Aber ist es nicht paradox, sich durch teure Markenkleidung oder Accessoires von anderen Menschen abheben zu wollen, wenn fast alle dieselben Marken tragen und außerdem klar ist, dass die teure Gucci-Handtasche oder die goldene Rolex eine billige Fälschung aus dem Basar von Istanbul ist? Wen täuscht man, wenn nicht sich selbst?
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Kommentare
19 September 2010
1 Jahr 34 Wochen
2 Januar 2011
1 Jahr 15 Wochen
Die Frage, wer die Verantwortung trägt, ist sicher nicht leicht zu beantworten. Ich bin mir aber sicher, dass die Erziehung ein exorbitanten Beitrag zu Entwicklung(oder eben Nichtentwicklung) dieses Prozesses hat.
[Uaahhh, es wurden schon Bücher darüber gefüllt, und ich denke, ich könnte etwas beitragen^^]
Wenn die Eltern ihren Kindern ein gewisses Grundverständnis über die Welt und soziale Dynamiken mitgeben, dann hat der Jugendliche immer Potenzial, sich von diesem Konsum-Exzess fernzuhalten.
[ich schaffe es nicht, dass thema ist zu komplex^^]
Ich muss zugeben, ich habe mir seit Jahren wieder mal etwas freiwillig gekauft (eine fesche Jacke(Aus China, und mit 50% Wolle----Fail xD)) und jetzt mache ich mir Vorwürfe... ich verstehe aber nicht genau, woher dieses spezielle Weltverständnis kommt... ich vermisse es beizeiten bei Gleichaltrigen(es fühlt sich doof an, das so zu sagen^^)
hihi:)
Wie macht man das denn, wenn man erwachsen ist? Es gibt doch auch 35-jährige, die jede Woche shoppen müssen ;)
guten Abend, T.