Auf dem Holzweg

Der Realität ins Auge schauen
Immer mehr Menschen sehen ein, dass wir unseren Lebensstil insgesamt ändern und an die globalen Herausforderungen anpassen müssen. Energiesparen und Mülltrennen ist für viele längst zur Selbstverständlichkeit geworden, und vielfach wird auch bewusster konsumiert. Produkte aus fairem Handel und ökologischem Anbau gewinnen zwar langsam an Marktanteil, aber für einen Großteil der Verbraucher zählt zuallererst der Preis. Gleichzeitig arbeiten Industrie, Handel und Werbewirtschaft mit aller Kraft daran, uns Verbraucher zum Kauf neuer Produkte zu bewegen, die besser, schöner, praktischer und vor allem bequemer sein sollen als ihre Vorgänger. All diese Vorzüge ändern jedoch nichts daran, dass die alten Sachen meist im Müll landen, auch wenn der hoffentlich nach Vorschrift sortiert wird.


Moderne Zeiten

Bequemlichkeit ist in den letzten Jahrzehnten zu einem großen Thema geworden. Wer kurbelt im Auto die Scheiben noch von Hand herunter oder schließt die Wagentür mit einem Schlüssel auf? Fernbedienungen erobern den Alltag, immer mehr Dinge funktionieren drahtlos oder warten im Standby-Modus auf den Moment, wo sie uns zu Diensten sein sollen. Moderne Fahrzeuge verbrauchen zwar ähnlich viel Sprit wie deutlich kleinere vor einem Jahrzehnt, sie sind aber komfortabler und schneller, und viele Autos lenken, bremsen und parken heute fast von allein. Kühlschränke können bereits per Internet selbstständig Milch im Supermarkt bestellen, wenn der Vorrat zur Neige geht, und die Heizung schickt uns eine SMS aufs Handy, falls der Brenner streiken sollte.

Krank durch zuviel Komfort

Für fast jeden Lebensbereich gibt es mittlerweile nützliche elektronische Helfer, die unser Leben bequemer machen und uns das Zurechtfinden in einer zunehmend komplizierten Welt erleichtern sollen. Allein für das iPhone existieren mehr als 200.000 Apps, das sind kleine nützliche oder unterhaltsame Programme fürs Handy. Im Grunde braucht man also nur noch einen vollen Akku und seine Fingerspitzen, alles Weitere erledigt heutzutage die Technik. Doch während unser Alltag zunehmend von Maschinen und Elektronik beherrscht wird, und Roboter uns nach der Fabrik- auch die lästige Hausarbeit abnehmen sollen, sind die so genannten Zivilisationskrankheiten auf dem Vormarsch. Bewegungsmangel, Fehlernährung, Diabetes und Allergien sind weit verbreitet, schon kleine Kinder leiden an Neurodermitis und Lebensmittelunverträglichkeiten. In Schwellenländern wie Indien und China kann man gegenwärtig sehr gut beobachten, wie die wachsende Mittelschicht exakt dieselben Symptome entwickelt, an denen bereits viele Menschen in den Industrieländern leiden. Ist Bequemlichkeit womöglich kein Segen, sondern ein Fluch? Technik kann uns die Arbeit abnehmen, aber gilt das auch fürs Denken?

 

Selber Denken
Wohl kaum – mehr denn je sind wir selbst gefordert, müssen ständig Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Leider hat noch niemand ein kluges Programm entwickelt, das unseren Alltag vollautomatisch auf eine klimaschonende und nachhaltige Lebensweise umstellen würde. Und es führt kein Weg drum herum – die Menschheit wird ihre Gewohnheiten ändern müssen. Je früher wir damit beginnen, desto leichter wird uns die Umstellung fallen. Nur um die Dimension zu verdeutlichen: In Deutschland beträgt der CO2-Ausstoß gegenwärtig rund 11 Tonnen Kohlendioxid pro Person und Jahr. Um das allseits akzeptierte Klimaziel zu erreichen, wofür die globale Durchschnittstemperatur nur maximal 2 Grad über den Wert vor Beginn des Industriezeitalters steigen darf, muss der CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 weltweit auf 2 Tonnen Kohlendioxid pro Person und Jahr sinken. Es bleiben also knapp vierzig Jahre für eine Revolution.

Die offene Kühlschranktür
2 Tonnen CO2 pro Person und Jahr sind für Inder oder Afrikaner eigentlich kein Problem, denn im Durchschnitt liegen sie heute noch unter diesem Schwellenwert. Aber auch dort ändern sich die Lebensgewohnheiten, wächst die Mittelschicht und mit ihr der Energie- und Rohstoffverbrauch. Wir Deutschen hingegen dürfen bis 2050 nur noch ein knappes Fünftel dessen produzieren, was wir heutzutage an Klimagasen in die Atmosphäre blasen. Bewohner der USA oder Australiens müssten sogar auf ein Zehntel ihres derzeitigen Ausstoßes reduzieren, was ihnen nur bei ernsthaften Anstrengungen gelingen wird. Nun möchten wir Sie nicht mit Zahlen und Fakten deprimieren, sondern Ihnen bei der Umstellung Ihres Alltags auf eine klimaschonende und nachhaltige Lebensweise helfen. Wir sind sicher, dass viele Menschen guten Willens sind, aber nicht recht wissen, wo sie anfangen sollen. Und ob die kleinen Schritte überhaupt etwas bringen, vor allem wenn die Anderen nicht mitziehen. Im übertragenen Sinne steht man sozusagen vor dem offenen Kühlschrank und überlegt, was denn heute auf den Tisch kommen soll. Und währenddessen strömt kalte Luft in die Küche, der Kompressor springt an und muss erneut Kälte produzieren. Diese Unsitte haben sich die meisten Menschen zum Glück längst abgewöhnt, sie überlegen vor dem Öffnen, was sie aus dem Kühlschrank nehmen wollen.

Radikal vernünftig
Bitte verstehen Sie uns richtig – obwohl GlobalUturn einen radikalen Wandel der globalen Lebensweise fordert, wollen wir Ihnen nicht den Spaß verderben und Sie zu einem Leben nach Art der Neandertaler überreden. Kaum jemand möchte auf Heizung, Strom und Mobilität verzichten und ab sofort nur noch kalt duschen, bloß weil es dem Klima nützt. Manch einer sagt sich vielleicht sogar, dass in Mitteleuropa eine Reduktion des Ausstoßes von Klimagasen um rund 80 % unmöglich ist, aber das stimmt nachweislich nicht. Wenn wir es klug anstellen, werden wir sogar kaum auf Komfort verzichten müssen, dafür aber deutlich an Lebensqualität gewinnen. Zum Beispiel durch sauberere Luft und bessere Wasserqualität, mehr körperliche Fitness und weniger Übergewicht, und vor allem durch einen Rückgang der Zivilisationskrankheiten, an denen immer mehr Menschen leiden. Außerdem könnten durch echten Klimaschutz Millionen neuer Jobs geschaffen werden.

Viele kleine Schritte zum Erfolg

Wir möchten Sie mit den Beiträgen in diesem Bereich ausdrücklich zu kleinen Schritten ermutigen, denn jede Reise besteht aus vielen einzelnen Schritten. Die sagenhaften Siebenmeilenstiefel aus dem Märchen gibt es ebenso wenig, wie eine clevere Software, die uns das Denken abnimmt. Jeder von uns wird sich in seinen Gewohnheiten umstellen und auf manches verzichten müssen, aber jeder Einzelne und die Menschheit insgesamt können viel hinzu gewinnen. Außerdem wird das Problem Klimawandel nicht verschwinden, wenn wir es ignorieren, sondern schwieriger zu lösen sein, je länger wir abwarten.

Lesen Sie bitte die Tipps für Klimaschützer und besuchen Sie die Seite Praktische Links.

 

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6. Juli 2010 - 14:15