Ausgangspunkt

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Grundgedanke
Die Menschheit steht aktuell vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Unsere Zivilisation, aber auch der Fortbestand vieler Tier- und Pflanzenarten, wird bedroht durch eine Reihe von Gefahren, die wir auf keinen Fall ignorieren dürfen. Zu den drängendsten Problemen gehören der globale Klimawandel, die massive Umweltzerstörung an Land und in den Ozeanen, zunehmender Hunger und stetiges Bevölkerungswachstum in der verarmten Dritten Welt, weltweit schwindende Ressourcen und ein entfesselter globaler Kapitalismus. Diese Probleme müssen unbedingt angegangen werden, bevor sie sich gegenseitig anheizen oder durch Krisen derart verstärkt werden, dass Lösungen unmöglich werden.

Obwohl die Ursachen der benannten Probleme bekannt sind, geschieht erschreckend wenig zu ihrer Bekämpfung. Das peinliche Scheitern des Kopenhagener Klima-Gipfels vom Dezember 2009 beweist, dass die Staaten der Erde noch nicht zur Zusammenarbeit bereit sind, obwohl die gemeinsame Bedrohung greifbar nah ist. Ein komplexes Geflecht von wirtschaftlichen, politischen und privaten Interessen verhindert bisher die notwendigen Schritte und Entscheidungen, obwohl dringend gehandelt werden sollte.

Politiker denken oftmals nur bis zum nächsten Wahlkampf und meiden deshalb unpopuläre Entscheidungen, weil sie Stimmen kosten. Einzelstaaten haben wirtschaftliche, ideologische und machtpolitische Interessen, die oftmals zu Konflikten untereinander führen. In der Wirtschaft gilt zunehmend das Diktat der kurzfristigen Profitmaximierung, da bleibt wenig Spielraum für ökologische Nachhaltigkeit. Die Interessen der Kapitaleigner, Industrien und multinationalen Konzerne werden durch einflussreiche und finanzkräftige Lobbyisten vertreten, aber die einfache Bevölkerung des Planeten Erde hat keine gemeinsame Lobby.

Wenn die Mächtigen dieser Welt nicht genug Einsatz zur dringend notwendigen Lösung der globalen Probleme zeigen, müssen die Betroffenen selbst handeln und zivilgesellschaftliches Engagement verstärken. Individuelle Verhaltensänderungen sind die Grundlage des Wandels, deshalb sollte die Weltbevölkerung auf breiter Basis informiert, alarmiert und aktiviert werden. Das Internet als globales Medium bietet die besten Voraussetzungen, um möglichst viele Menschen zu vernetzen und den nötigen politischen Druck zu erzeugen. Wichtig ist, dass wir die Zuschauerrolle ablegen, unsere gemeinsame Verantwortung akzeptieren und aktiv werden.

Weltweit engagieren sich unzählige Personen, Gruppen und Organisationen für Frieden,  Umweltschutz, Menschenrechte und andere wichtige Themen, aber nicht immer kooperieren sie ausreichend mit einander. Anstatt mit vielen Töpfen auf vielen Feuerstellen zu kochen, sollten die Energien gebündelt werden, sodass ein großer Dampfkessel den nötigen Druck erzeugen und den dringend notwendigen Wandel vorantreiben kann. Ähnlich wie bei Wikipedia und anderen gemeinschaftlich betriebenen Projekten muss es gelingen, Aktivisten und Interessengruppen an einen virtuellen runden Tisch zu bringen, um so eine gemeinsame Lobby der Völker zu erschaffen. Dafür engagiert sich GlobalUturn.

Rückblick   

In den letzten fünf Jahrhunderten hat sich die Welt und unser Bild von ihr radikal verändert. Menschen befuhren alle Ozeane, entdeckten und besiedelten jeden Erdteil. Spätestens seit Galileo wissen wir, dass die Erde keine Scheibe ist und welch unbedeutenden Platz dieser Planet im Universum hat. Wissenschaft und Technik revolutionierten unser Weltbild, Hersteller und Händler sorgten dafür, dass ständig neue Produkte auf den Markt kamen und heute um den ganzen Globus transportiert werden.

Das Tempo der Entwicklung steigt ständig und für viele Menschen auch die Lebensqualität. Wir sind aufgeklärte und gebildete Bürger, nutzen im Alltag hochkomplizierte Technik, reisen ganz selbstverständlich auf jeden Kontinent und haben Zugang zu einer fast unbegrenzten Informationsfülle. In Europa und weiten Teilen der modernen Welt muss niemand hungern oder frieren, es gibt ärztliche Hilfe für fast jeden und eine gigantische Auswahl von Waren. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrscht in vielen Ländern Frieden und politische Stabilität, die Menschen leben weitgehend in Sicherheit und der allgemeine Wohlstand wächst beständig. Aber das moderne Leben wird von einem rasanten Wandel geprägt, dessen Geschwindigkeit immer mehr steigt.  

Die meistens von uns leben in einem Überfluss, der vor wenigen Jahrzehnten unvorstellbar war. Und dennoch sind gerade die Bewohner der reichen Industrieländer nicht zufrieden oder gar glücklich. Bei Umfragen und im persönlichen Kontakt erwähnen sie Ängste, Ohnmacht und Depressionen. Ständiger Konsum steigert das individuelle Glück nachweislich nicht, wir erleben uns als machtlose Marionetten von Industrie und Wirtschaft. Viele sind verunsichert und spüren offenbar, dass die Menschheit zunehmend Gefahr läuft, wie einst die Dinosaurier zu enden. Dazu wird jedoch kein Meteoriteneinschlag nötig sein, denn wir Menschen selbst schaffen die Voraussetzungen für unsere Ausrottung.

Heutiger Alltag
Hunger, Dürre, Waldbrände und Überschwemmungen, Bürgerkriege und Seuchen – täglich erreichen uns Bilder von Katastrophen. Polareis schmilzt und Gletscher schwinden, Schlammlawinen wälzen sich durch Großstädte und zugleich werden in den Regenwäldern jährlich riesige Flächen gerodet. Hunderttausende Flüchtlinge verlassen jedes Jahr die Dritte Welt auf dem Weg in die reichen Länder des Westens. Viele sterben auf der Flucht, oder sie werden verhaftet und zurückgeschickt. Jeden Tag sterben über 25.000 Kinder an Unterernährung, eine Milliarde Menschen leidet ständig Hunger, rund doppelt so viele haben keinen sicheren Zugang zu ausreichend sauberem Trinkwasser. Kaum ein Tag vergeht ohne Terroranschläge, immerfort wird Blut vergossen, zerreißen Bomben unschuldige Menschen. Das ist die Kehrseite des Informationszeitalters – wir wissen um unsere Situation und können diesem Wissen nicht entkommen. Verdrängen ändert nichts, doch was kann helfen?

Mittlerweile verstehen wir, dass die größten globalen Probleme nicht isoliert lösbar sind. Klimawandel, Hunger, Umweltzerstörung, Migration, Armut, schwindende Ressourcen, Menschenrechte, die Bevölkerungsexplosion in der Dritten Welt, der scheinbare Zwang zu ständigem Wirtschaftswachstum – alles hängt zusammen. Obwohl wir Bürger der reichen Länder bisher nicht unmittelbar bedroht sind, wachsen Zweifel und Unbehagen. Zunehmend wird deutlich, dass wir unsere Lebensweise grundlegend verändern müssen, wenn unsere Kinder und Enkel auch zukünftig in Frieden und Wohlstand leben sollen. Grundlegender Wandel ist nötig und wir begreifen, dass die Zeit für Veränderungen knapp wird.

Folgenschwere Trägheit

Leider wurden bereits viele Jahre vergeudet und immer noch herrscht Unentschlossenheit. Wie lange wollen wir zögern und weitermachen wie bisher, wann wird endlich gehandelt? Längst müsste jedem klar sein, dass wir auf diesem Planeten sprichwörtlich alle in einem Boot sitzen. Anders als auf den Flüchtlingsbooten, die von den afrikanischen Küsten nach Europa aufbrechen, sind die Besitztümer und Möglichkeiten weltweit sehr ungleich verteilt. Aber wir teilen dasselbe Schicksal, sind alle denselben globalen Bedrohungen ausgesetzt und gemeinsam verantwortlich. Dieses Bewusstsein muss sich dringend durchsetzen, damit Lösungen für die existenziellen Probleme gefunden und zügig umgesetzt werden. Nur durch gemeinschaftliches und entschlossenes Handeln kann die Menschheit ihre bisher größte Herausforderung meistern. Die Wahrheit ist unbequem, aber für eine lebenswerte Zukunft müssen wir unseren Lebensstil und unser Verhalten radikal ändern.

Wie heiß wird es? Werden wir noch satt?
Der globale Klimawandel und die ständig wachsende Weltbevölkerung sind enorme Bedrohungen, die jahrzehntelang weitgehend ignoriert wurden. Aktuelle Prognosen zeigen bis zum Jahre 2050 einen Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur von mindestens zwei Grad, wenn der Ausstoß von Klimagasen gleich bleibt. Zum Ende des Jahrhunderts erwarten die Wissenschaftler ein etwa fünf Grad heißeres Klima, verglichen mit den Werten von 1990.

Fünf Grad wärmer – wenn man an einen grauen deutschen Herbsttag denkt, klingt das nicht bedrohlich. Dennoch sind sich die Klimaforscher einig, dass eine Erwärmung von mehr als zwei Grad katastrophale Folgen haben wird. Um die Existenz der Menschheit und die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren zu sichern, muss der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur unterhalb der Schwelle von plus zwei Grad bleiben. Bis 2050 sind es zwar noch vierzig Jahre, aber um die Weichen zur Bekämpfung des Klimawandels zu stellen, bleiben uns höchstens zehn Jahre.

Bald leben 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Etwa jeder sechste leidet an Unterernährung, jeder vierte hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung voraussichtlich auf zehneinhalb Milliarden wachsen, wobei die Zunahme fast komplett in den armen Ländern stattfindet. Hinzu kommen rasante Veränderungen der Lebensgewohnheiten in den Schwellenländern, wo heute rund drei Milliarden Menschen leben. Inder, Russen, Brasilianer, Chinesen, Indonesier und andere Völker – sie alle streben nach Wohlstand und Mobilität. Sie arbeiten hart dafür und wollen, wie ihre Vorbilder in den Industrieländern, geräumige Wohnungen mit Kühlschrank, Klimaanlage und Waschmaschine. Dazu ein Auto vor der Tür, regelmäßig Fleisch oder Fisch auf dem Teller, modische Kleidung und vieles mehr. Niemand kann ihnen das verbieten.

Aber die Ozeane sind überfischt, fruchtbares Ackerland schwindet durch Besiedlung, Erosion und Umweltschäden, es fehlt an Wasser, vielfach sinken die Erträge. Zusätzlicher Energieverbrauch für privaten Bedarf, Produktion und Transport von Industriegütern belastet das Klima. Veränderte Konsumgewohnheiten, zum Beispiel beim Fleischverzehr, sorgen für Knappheit auf den Weltmärkten für Nahrungsmittel. Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu erkennen, dass diese Faktoren die globalen Probleme weiter verschärfen.

Regeln und Vereinbarungen

Deshalb ist es höchste Zeit für einen Global Deal. Wir brauchen internationale Abkommen, die allen Bewohnern des Planeten gleiche Möglichkeiten für ein Leben in moderatem Wohlstand und faire Chancen für wirtschaftliche Entwicklung bieten. Dieser Global Deal erfordert weltumspannende Verpflichtungen zum schonenden Umgang mit allen Ressourcen und gegen jede unnötige Verschwendung. Um den weltweiten Temperaturanstieg unter zwei Grad zu halten, müssen besonders die Bewohner der reichen Länder ihren Ausstoß von Treibhausgasen schnell und drastisch reduzieren. Doch auch in den Schwellenländern muss der CO²-Ausstoß schon bald deutlich sinken. Konflikte sind also vorprogrammiert.

Bisher scheiterten alle Strategien zur Bekämpfung des Welthungers. Mehr als eine Milliarde Menschen leiden ständig an Unterernährung und ihre Zahl wächst. Gleichzeitig werden in großem Umfang Getreide, Ölfrüchte und andere Kulturpflanzen angebaut, um billigen Biosprit für Kraftwerke und Autos zu erzeugen. Derartige Widersprüche sind unerträglich, sie aus Gründen der Profitmaximierung zu tolerieren, ist unmenschlich. Eine schnelle Lösung der wichtigsten globalen Probleme erfordert Kompromissbereitschaft und den Willen, das eigene Verhalten umfassend zu ändern. Nur mit Entschlossenheit und Aufrichtigkeit kann es gelingen, der stetig wachsenden Menschheit eine lebenswerte Zukunft zu sichern.

Multiplikatoren
Diese neue Internet-Plattform will den dringend notwendigen Wandel unterstützen und beschleunigen. Sie soll informieren und aufrütteln, Mut machen und Menschen miteinander verbinden, und einen Rahmen für Gedankenaustausch und die Suche nach Lösungen bieten. GlobalUturn will zum Umdenken und Mitmachen einladen, über sinnvolle Initiativen und Bewegungen berichten, und möglichst viele der existierenden Gruppen miteinander verbinden. Wenn die Politik zu träge reagiert, muss die Zivilgesellschaft Verantwortung übernehmen und Druck ausüben. Dazu sollten wir dringend unsere Kräfte bündeln.

Wir müssen uns den globalen Herausforderungen stellen, die Probleme offen benennen und gemeinsam nach neuen Wegen suchen. Wir dürfen nicht länger zögern und hoffen, dass wir irgendwie glimpflich davonkommen werden, sondern müssen endlich handeln. Nur ein ehrlicher Dialog zwischen allen Beteiligten – also Industriestaaten, Schwellenländern und Drittweltstaaten, zwischen Armen und Reichen, Konsumenten und Produzenten – kann zu einem klimaverträglichen Lebensstil, ökologischer Nachhaltigkeit und einer gerechten Ressourcenverteilung führen. Ein fairer Global Deal ist eine der Grundvoraussetzungen für eine lebenswerte Zukunft.  

Gemeinsame Aufgaben
Die Zeit drängt, denn es warten weitere Herausforderungen. Der Kampf gegen den internationalen Terror und das organisierte Verbrechen, die Verknappung wichtiger Bodenschätze oder der Wunsch nach einer atomwaffenfreien Welt – auch für diese Probleme werden sich die Völker der Erde miteinander arrangieren und gemeinsame Lösungen finden müssen. Weil es isoliert nicht geht, weil wir alle in einem Boot sitzen. Deshalb muss unbedingt das Bewusstsein gestärkt werden, dass wir Weltbürger aufeinander angewiesen sind, gemeinsam Verantwortung tragen und Erfolg nur zusammen möglich ist.

Ein neues Bewusstsein der Verbundenheit kann, trotz negativer Folgen der Globalisierung und der entfesselten Weltwirtschaft, immens viel Kraft freisetzen. Unbedingte Aufrichtigkeit und die Bereitschaft zum ehrlichen Dialog sind der Schlüssel zur Lösung der globalen Probleme. Jeder Mensch kann einen wertvollen Beitrag leisten und den erforderlichen Wandel vorantreiben. Wir sollten sofort damit beginnen.

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3. April 2010 - 0:22