Neue Forenkommentare

  • Kommentar-Verlinkungen   vor 3 Jahre 38 Wochen

    Vielen Dank für deine Nachricht, Tom, die mich stellenweise an einen Nachruf am Grab eines geliebten Menschen erinnerte. Ganz so tragisch ist das Ganze wohl nicht, und ja, ich werde mich von Zeit zu Zeit um die Seite kümmern. Ohne großen Anspruch, eher nach Lust und Laune.

    Die von dir vorgeschlagenen Analyse unseres Scheiterns wird es wohl nicht geben, denn erstens können wir nur vermuten, weshalb die Plattform nicht besser angenommen wurde (wüssten wir's, hätten wir die Sache anders aufgezogen). Ich sehe es auch nicht unbedingt als Scheitern, denn viele der Inhalte sind nach wie vor aktuell und die Aussagen bleiben stimmig - wir haben bloß wenig Resonanz erzeugt. So macht halt jeder seine eigenen Fehler, aber nur wer nichts tut, macht auch nichts verkehrt.

    Viele Erfolg beim Weltenretten (oder beim sich-mit-der-bitteren-Realität-abfinden) und beste Grüße,
    Johannis

  • Kommentar-Verlinkungen   vor 3 Jahre 38 Wochen

    Danke für die nette Antwort!

    Echt schade dass es mies gelaufen ist ;)
    Ich werde schon mit dem Weltretten vorankommen :) :)

    Viel Glück im weiteren Leben, vielen Dank für die Mühen!!!

    Leb wohl:)

    (hmm, aber es kümmert sich noch jemand um die Seite? Es müsste geschrieben werden, dass es gescheitert ist. Cool für die globale Bewegung für Gerechtigkeit wäre ne reflektive Fehleranalyse, für andere Internetpioniere denke ich:)  )

    ciaoi

  • Kommentar-Verlinkungen   vor 3 Jahre 38 Wochen

    Hallo Tom,
    ja, ich bin seit gut zwei Wochen wieder in Deutschland, aber die Zeit zum Loslegen ist noch nicht gekommen. Oder sie ist längst verstrichen, das ist Ansichtssache. Im Moment fühlt sich offenbar niemand dazu berufen, dieser sicherlich sinnvollen Plattform wieder etwas Leben einzuhauchen, und dabei schließe ich mich ausdrücklich ein.

    In einem Beitrag auf meiner privaten Website schrieb ich neulich, "dass die gemeinsam mit Freunden investierte Zeit für Aufbau und Betrieb der interaktiven Plattform www.global-u-turn.org wohl großteils verschwendete Zeit war, wenn man mal vom Erkenntnisgewinn absieht. (Haupterkenntnis: Klimawandel und globale Themen nerven. Keiner will was drüber hören, weil das die Verdrängung erschwert.)" Das war sicherlich etwas flapsig-provozierend formuliert, gibt aber grundsätzlich meine momentane Sicht wieder.

    Daher bleibt hier erstmal alles wie es ist, und ich verbuche die Arbeit an der Plattform unter Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Denn lieber habe ich einmal mit Worten und Bildern ausgedrückt, woran ich und andere glauben, als immer nur brav den Mund gehalten zu haben. Obwohl ich die allgemeine Resonanz auf GlobalUturn, gelinde gesagt, enttäuschend fand.

    Wenn du dich aktiv einbringen willst und Veränderung vorantreiben möchtest, findest du sicher bei Utopia oder Avaaz mehr Gleichgesinnte als auf GlobalUturn. Sorry, aber das ist die unbequeme Wahrheit.

    Beste Grüße von Johannis

  • Kommentar-Verlinkungen   vor 3 Jahre 38 Wochen

    Ist Johannes jetzt nicht schon wieder da?:)
    Jetzt ist ja schon der 04.02.11...^^

    Was ich mich frage: was ist, wenn er wieder da ist, was ändert sich dann so?
    hihi
    Legen wir dann los?:)

    T.

  • Kommentar-Verlinkungen   vor 3 Jahre 41 Wochen

    Moin Tom_Denkt,

    oha ;-).
    Hier noch einmal das richtige Datum: 17.01.2011

    T@cky

  • Kommentar-Verlinkungen   vor 3 Jahre 41 Wochen

    Wow, er kann Zeitreisen?:) :)
    dankesehr, T@cky

  • Kommentar-Verlinkungen   vor 3 Jahre 41 Wochen

    Hi Tom_Denkt,

    Johannis wird aller Voraussicht am Montag den 17.01.2010 wieder in Deutschland aufschlagen.
    Ob er sich dann aber sofort wieder um global-u-turn kümmern kann, steht auf einem anderem Blatt.

    T@cky

  • Kommentar-Verlinkungen   vor 3 Jahre 41 Wochen

    Hmmm, ich finde nicht das Datum, wann Johannis wieder da ist:) kann es mir jemand verraten?

  • Kommentar-Verlinkungen   vor 3 Jahre 43 Wochen

    Ja, es ist wirklich umständlich, wenn man da lang blättern muss. Wir hatten das Thema schon einmal angesprochen (entweder hier im Forum irgendwo, oder per E-Mail).

    Super, dass Du diese Anregungen hier reinschreibst, bevor sie in Vergessenheit geraten! (Die Umsetzung wird sicher noch dauern, mindestens bis Johannis wieder im Lande ist.)

  • Die Gestaltung von GlobalUturn   vor 3 Jahre 43 Wochen

    Du hast schon recht, man sieht sie nicht direkt, nur in der Spalte rechts unter "Neue Kommentare".
    Vielleicht kann man das ja ändern… In ca. zwei Wochen kommt Johannis wieder, voller Tatendrang und mit viel Freizeit… ;-)

    Übrigens: Wenn nichts eingegeben wird, erscheinen die ersten Wörter, was sich bisweilen komisch liest… (Das steht auch schon anderswo, ich wiederhole es aber hier noch einmal, weil es wohl noch nicht ganz durchgedrungen ist.)

  • Die Gestaltung von GlobalUturn   vor 3 Jahre 43 Wochen

    Hmmm, ist es so, das der Betreffe, den mensch unter "Betreff" eingibt, nicht am Kommentar zu sehen ist? Wenn ja, ich finde ihn nicht :)

  • Die Rolle der Kleinbauern im Kampf gegen den Hunger   vor 4 Jahre 3 Wochen

    Ich glaube, die Gründe dafür, dass Frauen eine so wichtige Rolle in der Armutsbekämpfung haben sind viel einfacher, als man denkt.
    Bei der Vergabe von Mikrokrediten beispielsweise werden Frauen bevorzugt, weil sie mit dem Geld umsichtiger und verantwortungsvoller umgehen. Wenn man einem Mann einen Kredit gibt, trägt er das Geld zu seinen Kumpels und gibt ihnen ein Bier (einen Reisschnaps, eine Runde Tuk-Tuk-Fahren) aus. Er ist darauf aus, Prestige zu erlangen und seine Freunde zu beeindrucken. Eine Frau verwendet den Kredit zum Zwecke dessen, wofür er gedacht ist. Das sind keine Klischees sondern Tatsachen, die dazu geführt haben, dass die Grameen Bank und auch andere Geldgeber Frauen als Kreditnehmer bevorzugen.
    Vielen Dank für den Radiotipp, vielleicht habe ich die Tage mal Muße, ihn mir anzuhören.

    LG
    Karin

  • Die Rolle der Kleinbauern im Kampf gegen den Hunger   vor 4 Jahre 3 Wochen

    Liebe Tuberkula,

    nur häppchenweise habe ich den Spiegelartikel gelesen, darum auch erst jetzt meine Antwort (obwohl ich das Thema sehr interessant finde).
    Die Zusammenhänge von Gleichberechtigung der Geschlechter und Wohlstand (in den betr. Dimensionen kein sehr passender Begriff) waren mir nicht bewusst.
    Ich frage mich, wie die kausalen Zusammenhänge beschaffen sind: Ist die allgemeine Wirtschaftslage in den betreffenden Regionen verantwortlich dafür, dass ein bestimmter Prozentsatz der Frauen z.B. nicht lesen und schreiben kann, oder sind es die gebildeten und emanzipierten Frauen, die die Armut so erfolgreich bekämpfen. Im Spiegel-Artikel klingt es so, als wäre nur letzteres der Fall. Ich vermute, dass sich diese Faktoren gegenseitig hochschaukeln: Je gebildeter und emanzipierter die Frauen sind, umso mehr Möglichkeiten haben sie, Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen, und je geringer die Armut ist, umso mehr kann es sich das betr. Land "leisten" (kurzfristig gedacht), Frauen auszubilden.

    Ein interessanter Beitrag zu diesem Thema kam heute auf Deutschlandfunk:
    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/10/06/dlf_20101006_0952_a...
    (Analphabetismus und Armut in Guatemala).
    Hier will man die sozial Schwächeren offensichtlich klein halten, damit sie auch brav spuren. Frauen sind natürlich viel stärker betroffen als Männer.

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 6 Wochen

    Anna schrieb:
    Ich frage mich nach wie vor, ob dies und Tuberkulas Steinzeitmensch-H&M-Argumentation stichhaltig ist. Ich meine, die Grundlage dafür ist im Menschen von vornherein da, wenn auch in der Frühzeit des Menschen nicht in so abartiger Form vertreten wie heutzutage in den westlich geprägten, wohlhabenden Gesellschaften.

    Genau, es ist die Pervertierung einer menschlichen Eigenschaft, die nun einmal vorhanden ist, es ist nicht das Vorhandensein an sich, was Probleme macht.
    Wir Menschen haben viele Eigenschaften, wir sind neidisch, ehrgeizig, kreativ, gierig, altruistisch und neugierig. Keine dieser Eigenschaften richtet Schaden an, wenn sie durch andere ausgeglichen wird, sei es in einem Menschen selbst oder sei es innerhalb einer Gruppe von Menschen. Schaden entsteht dann, wenn eine einzige Eigenschaft zum Grundmotor des Handelns wird. Und der treibende Motor der Besitzgier und des skrupellosen Gewinnstrebens hat uns dahin geführt, wo wir jetzt stehen.
    Wir sehen, dass dieser Weg kein guter mehr ist. (Also wir vier hier sehen das zumindest so :-), andere mögen da anderer Ansicht sein).
    Ich denke nach wie vor, das es ein Gewinn für jeden Einzelnen kann, sich von den inneren und äußeren Zwängen des Konsums zu befreien. Es geht noch immer um Haben oder Sein. Das vergessen leider viele.

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 6 Wochen

    MO, Deine Ausführungen zur Psychologie des Kaufens finde ich spannend. Eigentlich ist dies eine Antwort darauf, aber ich schreibe es als Antwort auf den Hauptbeitrag, sonst wird der Text zu schmal und lang... Lang genug ist er auch so...



    „Viel zu tief steckt in den meisten von uns aber der Glaube - hervorgerufen durch Millionen mehr oder minder unterschwelliger Werbebotschaften, die von Kindheit an auf uns einprasseln - dass die Dinge uns glücklich machen und dass wir permanent danach streben müssen, glücklich zu werden."


    Ich frage mich, ob man nicht noch tiefer ansetzen muss. Werbebotschaften mögen konkretisieren und verstärkend wirken, aber das Streben nach möglichst viel Hab und Gut gibt es auch in Gesellschaften ohne Werbung. Ich bin ohne Werbung aufgewachsen, und doch war auch da stets das Schielen nach Mehr, Teurer, Seltener, Besonderer, Repräsentativer (= Westlicher).

    Der springende Punkt ist, in der Jugend wie im Alter, glaube ich, die Akzeptanz und der Status innerhalb der Peergroup, was oben auch schon angesprochen wurde. 


    Wahrscheinlich kennt Ihr das Ergebnis der Harvard-Studie über Glück, denn es ging vor einigen Jahren durch die Presse (leider habe ich weder die Primärquelle gefunden, noch diejenige, durch die ich die Studie kennengelernt hatte). Entscheidend ist dieser Studie zufolge, ob man im Vergleich zu anderen, und zwar in erster Linie zu derjenigen sozialen Gruppierung, mit welcher man sich am meisten identifiziert, gut dasteht oder nicht. Und das ging so: Studenten wurden dazu aufgefordert, zwischen zwei „Welten" zu wählen: in Welt 1 hätten sie ein Einkommen von 50.000 $, während ihre „Konkurrenz" 25.000 $ verdiente, in Welt 2 hätten sie 100.000 $ verdient, die anderen hingegen 250.000. Die Mehrheit entschied sich für Welt 1...

    Das Imponierenwollen in der Peergroup und der Vergleich mit anderen ganz allgemein ist fatal. Ich glaube, das Wissen über diesen Mechanismus ist sehr wichtig; Leuten, die zur Selbstreflexion fähig und willig sind, sollte dies bewusst gemacht werden. Wenn ich meine kleinen beruflich bedingten Krisen habe, ist dies wirklich hilfreich.

    Was die meisten von uns hingegen glücklich macht, lässt sich hier nachlesen: http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/projekt_ewiges_glueck_1.2612993.html (und dem kann ich auch zustimmen). Eine andere Frage ist, wie sinnvoll es tatsächlich ist, glücklich zu sein (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/forschung-die-suche-nach-glueck-kann...). - Ein Trost für Linke, denn laut einer Studie der Aarhus School of Business sind Menschen umso unglücklicher, je weiter sie politisch links stehen. Sie leiden besonders unter den sozialen Ungleichheiten, auch wenn sie nicht betroffen sind... Na ja, in letzterem Fall kein wirklicher Trost.

    „Wenn irgendetwas in mir den Wunsch ausgelöst hat, dieses oder jenes zu besitzen, dann stellt sich in dem Moment, in dem ich es in Händen halte, eine gewisse Befriedigung ein. Dabei werden vom Körper […] zur Kaufsucht führen kann)."


    Über das Ausschütten von Glückshormonen, wenn man das Objekt der Begierde in Händen hält - ich meine jetzt Kommerzielles -, auch wenn es realistisch gesehen etwas Überflüssiges ist, habe ich bisher nicht nachgedacht, denn es erscheint einem so selbstverständlich. Aber abgesehen vom „Triumph", sein Ziel erreicht und sich durch ein „Extra" getröstet zu haben - könnte die Freude vielleicht auch damit zu tun haben, dass man sich quasi selbst ausgetrickst hat, die süße Sünde, die verbotene Freude, der Seitensprung ins Irrationale? Oder ist das nur die Projektion einer protestantisch geprägten Rationalistin?

    Nicht viel Neues, aber schön auf den Punkt gebracht: „Die Tretmühlen des Glücks. Wir haben immer mehr und werden nicht glücklicher. Was können wir tun?", von Mathias Binswanger (Zusammenfassung auf http://www.weltwoche.ch/fileadmin/doc/podcasts/Weltwoche_140906_Binswang...).

    „Alle diese Bedürfnisse sind erlernt"


    Ich frage mich nach wie vor, ob dies und Tuberkulas Steinzeitmensch-H&M-Argumentation stichhaltig ist. Ich meine, die Grundlage dafür ist im Menschen von vornherein da, wenn auch in der Frühzeit des Menschen nicht in so abartiger Form vertreten wie heutzutage in den westlich geprägten, wohlhabenden Gesellschaften. Es ist die materielle Seite von dem, was wir bei Hühnern als Hackordnung bezeichnen. (Ob Alphatiere als Machtdemonstration gelegentlich auch mehr horten, als sie unmittelbar verbrauchen können? Wisst Ihr etwas darüber?) 


    Von der Nahrungsspeicherung für magere Zeiten bis zum Horten überflüssiger Nahrungsmittel oder anderer Gegenstände (im Extremfall: von reinen Prestigeobjekten) führt ein kurzer Weg. Gerade durch den Übergang zum Ackerbau und der Dauersesshaftigkeit wurde dem Anhäufen von Gütern (und damit von Macht) Tor und Tür geöffnet, denn mit der Agrarwirtschaft eng verknüpft sind Tausch und Handel. Diese sind aber nur dann möglich, wenn ein Überschuss eines Gutes produziert wird, das andere nicht haben.



    „und variieren natürlich mit den materiellen Verhältnissen einer Gesellschaft, sowie mit den dort geltenden Wertvorstellungen. Um sich aus seinem bisherigen Denken zu befreien, muss ein Mensch also einen vollkommenen Sinneswandel vollziehen. Dieser innere Wandel lässt sich nicht erzwingen, er muss aus freien Stücken erfolgen. Die Industrie, die ihre Produkte verkaufen will, wird aber alles dafür tun, dass möglichst viele ihren Verlockungen erliegen."

    Ja!

    „Und so werden es am Ende nur wenige sein, die auch ohne ständigen Konsum zufrieden sein können."


    Wenn Du nur Unrecht hättest!

  • Die Gestaltung von GlobalUturn   vor 4 Jahre 7 Wochen

    Ich würde mir wünschen, dass ein Link unter den Beiträgen zur Hauptbeitragsgruppe zurückführt. Also dass man von den Blogkommentaren zum Blog kommt, von den Startseitenkommentaren zur Startseite, von den Forumkommentaren zum Forum, auch wenn man nicht weiß, ob man sich gerade in einem Blogbeitrag, einem Startseitenbeitrag oder einem Forumsbeitrag befindet (habe immer noch Probleme mit der Orientierung). Wäre das möglich?

    Anlass: Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass bei bestimmten Beiträgen Links durch neue Absätze hervorgehoben werden (z.B. „Die leere Tanzfläche“), in anderen im Fließtext erscheinen (z.B. „Finanzielle Freiheit“), und ich frage mich, ob dies mit dem Kommentartyp zusammenhängt. Wenn ich nun von den betr. Beiträgen zur übergeordneten Ebene käme, könnte ich das Problem leichter benennen. (Oder woran könnte die unterschiedliche Darstellung liegen? An ±Klammern? Versteckte Formatierungsbefehle?)

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 7 Wochen

    @MO
    Zum Dopamin: Ich weiß nicht, wie ernst Du das meintest, aber es stellt sich auf jeden Fall die Frage, ob „Ach, ich brauche nichts mehr, ich hab’ doch alles“ Resignation oder Zufriedenheit ausdrückt. Ich glaube, das ist sehr unterschiedlich.

    P.S. Ich meine: individuell unterschiedlich.

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 7 Wochen

    Ich finde "Verzicht" auch zu negativ.
    Wenn ich auf etwas verzichte erzeuge und erlebe ich einen Mangel.
    Erst, wenn ich etwas wirklich nicht mehr brauche, also mein Begehren aufhört, bin ich angekommen. Das ist eine Haltung. Und ich glaube nicht, dass es eine Resignation ist. Ältere Menschen haben oft begriffen, dass alles vermeintliche Brauchen und Haben ihr Leben nicht bereichert (hat) und sind wegen Lebenserfahrung in der Lage, sich auf wesentlichere Dinge zu besinnen. Und diese liegen außerhalb von Konsum. Ein Faktor der Altersweisheit- die jedoch nicht zwangsläufig einsetzt ;-)
    Konsum spricht den Menschen in einer seiner primitivsten Eigenschaften an, der Geltungssucht. Ein Jeder möchte etwas gelten. Und Konsumartikel bringen zur Geltung. Sie dienen als Persönlichkeitsverstärker- umso mehr, je weniger an Selbstbewusstsein ausgebildet ist.

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 7 Wochen

    Sehr interessant! Aber es stellen sich auch einige Fragen, die im zitierten Beitrag nicht tangiert werden (wobei ich die Fußnoten und Referenzen noch nicht gelesen habe, und letzteres wahrscheinlich auch nicht tun werde): Da ist sicherlich auch das Bestreben danach, mit den besser Betuchten gleichzuziehen… Und je weniger man hat, umso bemerkbarer wird es, wenn man zu viel ausgibt. – Wenn es so ist, dann hieße es, dass es keinen direkten Kausalzusammenhang zwischen „gebildet“ und „verschuldet“ – oder jedenfalls nicht nur einen direkten Kausalzusammenhang zwischen diesen.

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 7 Wochen

    Die Ausschüttung von Glückshormonen beim Kauf einer Ware ist ein interessanter Aspekt, zumal das ja dann eine antrainierte Reaktion zu sein scheint. Etwas archaisches kann es wohl nicht sein, denn in der Steinzeit gab es H&M noch nicht...

    Was mich sehr interessiert, ist der Zusammenhang zwischen Bildung und Konsum.
    Auf der Internetpräsenz der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es dazu einen längeren Artikel von Dirk Loerwald. Den (meiner Ansicht nach) interessantesten Part findet man hier:

    http://www.bpb.de/publikationen/VSHO8O,5,0,%D6konomische_Bildung_f%FCr_b...

    Der Ausdruck Verzicht ist, wie du geschrieben hast, negativ besetzt. Ich glaube die Soziologin Maria Mies war es, die von Konsumbefreiung gesprochen hat.
    Tatsächlich hat die radikale Reduzierung von Waren eine befreiende Wirkung. Nicht nur für die Geldbörse :-)

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 7 Wochen

    "Verzicht" klingt negativ, schwierig. Klingt nach "ein Opfer bringen". Verständlicherweise werden das viele nicht wollen.
    Einfacher wäre es, würde die Grundeinstellung lauten: "Ich brauche das nicht."
    Denke ich: "Ich brauche nicht das neueste Handymodell, weil ich mit dem alten immer noch ganz prima telefonieren kann", dann muss ich auf nichts verzichten und somit auch kein Vakuum füllen.
    Viel zu tief steckt in den meisten von uns aber der Glaube - hervorgerufen durch Millionen mehr oder minder unterschwelliger Werbebotschaften, die von Kindheit an auf uns einprasseln - dass die Dinge uns glücklich machen und dass wir permanent danach streben müssen, glücklich zu werden.
    In dem Zusammenhang muss man einen Blick auf die Psychologie des Kaufens werfen (unter Voraussetzung, dass die elementaren Bedürfnisse bereits gestillt sind).
    Wenn irgendetwas in mir den Wunsch ausgelöst hat, dieses oder jenes zu besitzen, dann stellt sich in dem Moment, in dem ich es in Händen halte, eine gewisse Befriedigung ein. Dabei werden vom Körper Glückshormone ausgeschüttet, welche bewirken, dass ich mich, wenigstens zeitweise, wirklich besser fühle. Vor diesem Hintergrund ist es leichter zu verstehen, dass Menschen das Kaufen von nicht existenziellen Dingen, als angenehm oder tröstend empfinden, sich damit belohnen oder weiterführend dadurch sogar Defizite, die aus dem Nicht-Lösen ganz anderer Probleme entstanden sind, kompensieren (welches im Extremfall zur Kaufsucht führen kann).
    Auch das Bedürfnis nach Akzeptanz innerhalb einer Community oder Peer-Group ist - gerade unter Jugendlichen - ein wichtiger Punkt, an dem die Werbeindustrie nur zu gern anknüpft und frei nach dem Motto "Hast du was, bist du was" zu demonstrativem Konsum aufruft. Im späteren Leben geht es dann eher um Status und Ansehen (Zitat Dörge: "Man kauft schließlich, was man  nicht braucht, mit dem Geld, das man nicht hat, um dem zu imponieren, den man nicht mag.") oder um individuelle Abgrenzung.
    Alle diese Bedürfnisse sind erlernt und variieren natürlich mit den materiellen Verhältnissen einer Gesellschaft, sowie mit den dort geltenden Wertvorstellungen. Um sich aus seinem bisherigen Denken zu befreien, muss ein Mensch also einen vollkommenen Sinneswandel vollziehen. Dieser innere Wandel lässt sich nicht erzwingen, er muss aus freien Stücken erfolgen. Die Industrie, die ihre Produkte verkaufen will, wird aber alles dafür tun, dass möglichst viele ihren Verlockungen erliegen. Und so werden es am Ende nur wenige sein, die auch ohne ständigen Konsum zufrieden sein können.

    PS: Ich habe mal gelesen, dass bei alten Menschen die Dopaminneuronen absterben. Ist das vielleicht der Grund, warum diese meist sagen: "Ach, ich brauche nichts mehr, ich hab' doch alles"?

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 7 Wochen

    Schön, Tuberkula!

    Aber um auf das Thema zurückzukommen, und speziell auf das, was Anja mit „Kaufreue“ auf den Punkt gebracht hat: mir scheint der Gedanke – speziell als potentieller Auslöser eines „Aha-Effektes“ bei Konsumbegeisterten – zentral, der hier (unter Alltag/Konsum) wie folgt formuliert wird: „Von allen Seiten prasseln die Werbebotschaften auf uns ein und sagen immer nur eines: »Du bist unzulänglich, weil du dieses Produkt nicht besitzt. Kauf es und du wirst glücklicher sein!«“, bzw. „Reklame verspricht Glück durch mehr Konsum, wir kaufen und werden enttäuscht.“
    Dieser Aspekt, der schale Geschmack, der sich einstellt, wenn man feststellt, dass der siebte Lippenstift auch keine eklatante Wende in unserer Biographie mit sich bringt, ist wesentlich für die Entlarvung dessen, was mit uns gemacht wird und was wir hinnehmen, bei dem wir, wenn wir nicht aufpassen, mitspielen. (Vielleicht gelingt es mir, diesen Gedanken auch meiner renitenten, lieben Tochter in einem geeigneten Moment in geeigneter Form unterzujubeln…)
  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 7 Wochen

    Eine Großmutter, die ihr Geld, wenn auch angewidert, weitergibt, ist nicht zu verachten. Jedenfalls musste ich grad sehr über sie lachen.
    Und niemals nicht würde ich dich verraten, AnnA.

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 8 Wochen

    Danke, Tobias und Tuberkula!
    Zum Geldhahn: Es gibt eine Monatspauschale, die sie gerecht zwischen Teurem und SEHR billigem Tand (Stichwort 1-€-Laden) aufteilt. Außerdem verdient sie sich ein Zugeld mit Cellounterricht. Darüber hinaus gibt es eine Großmutter, die für gefinkelte, wenn auch wenig stichhaltige Argumente zugänglich ist, und ihrer Verachtung gegenüber dem Geld dadurch Ausdruck verleiht, dass sie es angewidert weitergibt. Viel ist’s nicht, aber für Rasierklingen „Venus SPA Breeze, 2 in 1, Klingen Plus Rasiergel-Kissen, mit wohltuendem Duft von weißem Tee“ reicht es leider. (@Tuberkula, verpetz mich nicht bei ihr!)

  • Finanzielle Freiheit - Fluch oder Segen?   vor 4 Jahre 8 Wochen

    @twuerz: Sory of Stuff kenne ich, ein wirklich gelungener Kurzfilm, den hab ich schon oft verlinkt...

    Ja, da hast du wohl einen harten Brocken vor dir, AnnA: pubertierend, eigensinnig, intelligent und umgeben von Markenfetischistinnen.

    Spar dir vielleicht einfach die Spucke des endlosen Argumentierens (was du ja vermutlich eh nicht machst) und reguliere den Einkauf von Klamotten durch eine finanzielle Obergrenze. Schließlich stellst du die Euronen ja zur Verfügung, also darfst du bestimmen, wieviel ausgegeben wird.

    Und unterschätze nie die langfristige Wirkung des Vorlebens. Auch wenn sie jetzt unbedingt das T-Shirt mit diesem einen bestimmten Logo haben muss- ihre Prägung für die Zukunft wird eine andere sein. An mir selbst stelle ich immer wieder fest, wie sehr ich das nachlebe, was mir meine Eltern vorgelebt haben. Die Hürde der Pubertät ist also- so ist zu hoffen - ein vorübergehendes, zu überwindendes Hindernis.