Düstere Aussichten

Heute war ich in einem Drogeriemarkt und lobte an der Kasse die Wattestäbchen im preiswerten und vor allem ressourcenschonenden Nachfüllbeutel. Die junge Kassiererin freute sich und fragte, als alle Waren über den Scanner geschoben waren, routinemäßig nach meiner Payback-Karte.

„Hab ich nicht, und in diesem Leben bekomme ich auch keine mehr“ flachste ich, denn ich sammele keine Punkte und möchte nicht zum gläsernen Konsumenten werden.

„Als was wollen sie denn wiedergeboren werden?“ gab sie schlagfertig zurück.

„Ach wissen Sie, wenn ich ganz ehrlich bin, reicht mir das jetzige Leben. So wie sich die allgemeine Weltlage entwickelt, möchte ich auf diesem Planeten nicht unbedingt wiedergeboren werden“ antwortete ich.

Plötzlich wurde sie sehr ernst. „Ich auch nicht. Deshalb werde ich auch keine Kinder in die Welt setzen.“ Mit einem traurigen Lächeln gab sie mir mein Wechselgeld und wandte sich dem nächsten Kunden zu.

Diese Begegnung hat mich sehr beschäftigt. Nicht nur die unerwartete Offenheit einer Fremden, sondern vor allem die Tatsache, dass eine Frau von vielleicht 27 Jahren nicht genug Vertrauen in die Entwicklungen auf diesem Planeten hat, um selbst eine Familie gründen zu wollen. Wie vielen Menschen in diesem Land mag es wohl im Hinblick auf unsere unsichere Zukunft ähnlich ergehen? Woher soll man angesichts stetiger Umweltzerstörung und bei den erschreckenden Vorboten des Klimawandels die Zuversicht nehmen, um sich Kinder zu wünschen? Was würde man diesen Kindern sagen, wenn sie heranwachsen und eines Tages fragen, warum die Generationen ihrer Eltern und Großeltern mehr oder minder tatenlos zugeschaut haben, wie die Lebensgrundlagen auf unserem Heimatplaneten Schritt für Schritt zerstört wurden?

Ich selbst habe keine Kinder. Und ich wüsste auf solche Fragen keine ehrliche Antwort, mit der sich ein kritisch nachfragendes Kind zufrieden geben würden. Steckte ich in der Haut eines Teenagers, beispielsweise im Jahr 2025, wäre ich vermutlich fassungslos vor Wut und Unverständnis angesichts der Passivität und Zögerlichkeit, die am Beginn dieses Jahrtausends auf der Erde herrschte. Hoffentlich wird es dazu nie kommen. Hoffentlich werden die nächsten Generationen anerkennen können, dass ihre Vorfahren rechtzeitig zu Vernunft kamen und dann entschlossen gehandelt haben. Bevor es zu spät zur Umkehr war.   

14. August 2010 - 19:12