Klima & Umwelt

Zusammenfassung lesen

Viel Rauch um nichts?
Nachdem jahrzehntelang darüber gestritten wurde, ist mittlerweile für eine überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler und die meisten aufgeklärten Zeitgenossen erwiesen, dass wir den Beginn einer von Menschen ausgelösten globalen Erwärmung erleben. Dabei steigt durch menschliches Einwirken die Durchschnittstemperatur in der erdnahen Atmosphäre und den Meeren. Zwischen 1906 und 2005 hat sich die durchschnittliche Lufttemperatur in Bodennähe um rund 0,8° Celsius erhöht, und für die Zukunft ist mit weiter steigender Erwärmung zu rechnen. Das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausends war mit Abstand das wärmste je gemessene. Auch die 1990er Jahre waren bereits wärmer als die 1980er Jahre.

Es wird warm
Hauptursachen der weltweit steigenden Temperaturen sind die Verbrennung fossiler Brennstoffe (Erdöl, Gas und Kohle), die Entwaldung großer Flächen, sowie die Land- und Viehwirtschaft. Dadurch wird die Atmosphäre mit großen Mengen der Treibhausgase Kohlendioxid (CO2), Methan und Lachgas angereichert. Zusammen mit Rußpartikeln, einer wachsenden Wasserdampfkonzentration in der Atmosphäre und schwindenden reflektierenden Eisflächen sorgen diese Gase dafür, dass weniger Sonnenwärme von der Erdoberfläche ins Weltall zurückgestrahlt wird und sich der Planet dadurch aufheizt.

Begleitet wird der Temperaturanstieg von beunruhigenden Anzeichen eines massiven Klimawandels. Vegetationsperioden und Niederschlagsmuster verändern sich, Wetterextreme nehmen zu, Verbreitungsgebiete von Pflanzen und Tieren verschieben sich, Gletscher und polare Eismassen schmelzen, der Meeresspiegel steigt. Es gibt verschiedene Szenarien, die für das Jahr 2100 – abhängig vom Treibhausgasausstoß der nächsten Jahrzehnte und der Reaktion des Klimasystems – eine Erwärmung um bis zu 6,5 Grad voraussagen. Allgemeine Einigkeit besteht unter Klimaforschern und vielen Politikern, dass eine Erwärmung von mehr als 2 Grad unkontrollierbare und vermutlich katastrophale Folgen haben wird.

Wärmer ist nicht besser
Zu den Folgen des Klimawandels, die in manchen Ländern bereits deutlich spürbar sind, gehören vermehrte Dürren und Überschwemmungen, Hitzewellen, häufigere und stärkere Stürme, die Verbreitung wärmeliebender Schädlinge und Krankheitserreger, und die Versalzung küstennaher Äcker und Grundwasservorkommen. Das Ansteigen der Meeresspiegel gefährdet Städte, Inselstaaten und Küstenlandstriche, das Abschmelzen der Gletscher bedroht die Trinkwasserversorgung ganzer Länder. Im Wasser gebundenes CO2 übersäuert die Meere, dadurch verschlechtern sich die Lebensbedingungen für das Plankton, die Nahrungsquelle vieler Fischarten. Große Mengen Schmelzwasser vom Polareis kann Meeresströmungen wie den Golfstrom hemmen und – trotz Erderwärmung – zu Kälteeinbrüchen in Europa führen. Ein ungebremster Klimawandel wird daher die bereits bestehende Nahrungsmittelknappheit in manchen Ländern drastisch verschärfen, Hungersnöte unbekannten Ausmaßes auslösen und im Extremfall zur Massenflucht ganzer Völker führen. 2 Grad Erwärmung gefährden das Überleben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, bei über 3 Grad droht der Kollaps ganzer Ökosysteme und die Ausrottung von mehr als 50 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten.

Haben wir schon verstanden?
Wir sind also gewarnt, wissen Bescheid. Und wie reagieren wir auf eine derartige Bedrohung unserer Lebensgrundlagen? Abwartend, und dieses Wort ist noch sehr beschönigend. Die Gefahr ist seit Jahrzehnten bekannt, sie wird von Jahr zu Jahr größer, um sie abzuwenden geschieht jedoch erschreckend wenig. Beim Kopenhagener Klimagipfel konnten sich die führenden Politiker der Erde erneut nicht auf verbindliche Regeln zur Begrenzung des Ausstoßes von Klimagasen einigen, es blieb bei halbherzigen Absichtserklärungen und einem schwammigen Minimalkonsens. Ob der nächste Klimagipfel Ende 2010 in Mexiko endlich Ergebnisse bringt, muss sich zeigen. Haben wir so viel Zeit?

Nein, auf keinen Fall, obwohl die globale Erwärmung nicht unbedingt graduell verläuft. Sie kann sich verlangsamen, beispielsweise bei zyklisch verringerter Sonnenaktivität. Die Temperatur kann aber auch abrupt ansteigen, zum Beispiel wenn große Mengen Methan aus auftauendem Permafrostboden oder unterseeischen Methanhydratlagern entweichen sollten. Klimaforscher sind sich einig, dass es bei der globalen Erwärmung so genannte Tipping-Points gibt. Wenn diese überschritten werden, gerät die Entwicklung außer Kontrolle. Trotzdem werden in China jede Woche zwei neue Kohlekraftwerke eingeweiht, fordern Industrielobbyisten überall Erleichterungen für Klimasünder, gibt es nach wie vor keine CO2-Steuer. Weltweit wird darauf gewartet, dass die globale Konjunktur wieder anspringt, dass Wachstum und Konsum die von der Finanzkrise arg strapazierten Staatskassen füllen. Weiter wie bisher – business as usual.

Business as usual
Besonders tragisch ist dieses weltweite Zögern, weil wir nicht nur das Klima dieses Planeten massiv beeinträchtigen. Die Rodung der letzten Regenwälder geht nahezu ungebremst weiter, obwohl wir um ihren unersetzlichen Wert für das Klima und die Artenvielfalt wissen. Der Urwald wird systematisch geplündert, Moore trockengelegt, wertvolles Holz abtransportiert, der Rest geht in Flammen auf. Kaum hat sich der Rauch verzogen, werden auf den ausgelaugten Böden Monokulturen angepflanzt, wobei Chemikalien und reichlich Kunstdünger die Erträge sichern. Obwohl wir um ihre Giftigkeit wissen, pumpen wir rund um den Globus Tag für Tag gigantische Mengen chemischer Abwässer in Flüsse und Meere. Mehr als drei Viertel aller Fischvorkommen sind bereits überfischt oder nahezu ausgerottet. Trotzdem sträuben sich fast alle Länder gegen ernsthafte Einschränkungen ihrer industriellen Fischerei und verbindlichen Artenschutz. Zudem verwandeln riesige Schleppnetze, die mit tonnenschweren Stahlplatten beschwert über den Meeresgrund gezogen werden, immer größere Gebiete in leblose, schlammige Wasserwüsten. Die Ozeane, Wiege des irdischen Lebens, verkommen zur Müllkippe, auf den Wellen treiben mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll. Plastik braucht zweihundert Jahre, um zu verrotten, solange schadet es Fischen und andere Meerestieren. 

Man könnte diese deprimierende Aufzählung nahezu beliebig fortsetzen, aber das hätte wenig Sinn. Die Fragen lauten: Warum lassen wir die Vernichtung unseres Lebensraums zu? Was muss geschehen, damit die Zerstörung möglichst schnell ein Ende findet?

Was muss geschehen?
Eine Antwort auf die erste Frage liegt sicher darin begründet, dass viele Menschen die Zusammenhänge noch nicht verstanden haben, den Umfang der Umweltzerstörung nicht kennen oder menschliche Einflüsse auf das Klima schlicht leugnen. Und jene Zeitgenossen, die das Ausmaß des Problems bereits erkannt haben, fühlen sich oftmals überfordert und machtlos. Außerdem ist es anscheinend schwer vorstellbar, dass die Lebensbedingungen auf der Erde durch uns Menschen in kurzer Zeit so massiv verändert werden, dass viele Lebewesen dies nicht verkraften könnten.

Hinzu kommt, dass unzählige Konzerne weltweit, aber auch viele Staaten ein intensives Interesse daran haben, möglichst wenig Klima- und Umweltschutz zu praktizieren. Wer mit Erdöl, Gas und Kohle sein Geld verdient, in der Produktion oder beim Transport viel Energie verbraucht, oder mit zerstörerischen Methoden Ressourcen wie Tropenwälder oder die Ozeane ausbeutet, muss mit schwindenden Profiten rechnen, wenn das Klima wirksam geschützt wird und CO2-Emissionen besteuert würden. Auch energiehungrige Schwellenländer wie China, das einen Großteil seines Stroms aus Kohle gewinnt, wollen ihre Wachstumschancen nicht einschränken lassen und wehren sich gegen jede Einflussnahme. Trotzdem muss schnellstens das Verursacherprinzip angewandt werden. Jeder, der Klima oder Umwelt schädigt, muss die vollen Kosten für sämtliche Auswirkungen tragen, die nachteilig für die Allgemeinheit sind.

Klimaschutz bedeutet Wohlstand
Dabei geht es auch anders. Immer mehr Länder und Unternehmen begreifen, dass der Klimaschutz Arbeitsplätze schafft und eine Quelle für neuen und vor allem nachhaltigen Wohlstand ist. Und damit beginnt die Antwort auf die zweite Frage: Was muss geschehen? Wir brauchen einerseits eine weltweite Aufklärungskampagne, die allen Menschen klarmacht, dass unsere Zivilisation als Ganzes, aber auch die Existenz jedes Einzelnen durch den Klimawandel und die fortschreitende Zerstörung unseres Lebensraums gefährdet sind. Genau wie die Welt bei Ausbreitung eines neuen und extrem gefährlichen Krankheitserregers gewarnt wird, müssen die Menschen rund um den Globus informiert werden. Jeder muss verstehen, worin die gegenwärtige Bedrohung besteht, wie man Klima und Umwelt wirksam schützt, und worin die Vorteile eines veränderten klima- und umweltfreundlichen Lebensstils liegen. 

Die Chancen nutzen
Wir brauchen einen unverstellten Blick auf das Problem, eine Art utopischen Realismus, der uns die Gefahren und gleichzeitig alle Chancen verdeutlicht. Praktizierter Klimaschutz bedeutet gleichzeitig Sicherheit bei der Energieversorgung, denn erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Wasserkraft sind unerschöpflich. Niemand kann dem Nachbarn die Sonne absperren, wie es mit Öl- und Erdgaspipelines bereits mehrfach geschehen ist. Wenn Produktion und Transport auf nachhaltige Technik umgestellt werden, sinken automatisch die Umweltbelastungen. Das heißt weniger Luft- und Wasserverschmutzung, weniger Erkrankungen sowie bessere und gesündere Lebensmittel. Und es bietet vor allem die realistische Aussicht, auch eine Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen zu ernähren. Dadurch würden zukünftige Hungersnöte, Verteilungskriege und unkontrollierbare Flüchtlingsströme vermieden.

Diese Aufzählung ließe sich problemlos fortführen, aber kaum jemand liest gern endlose Texte. Nur ein wichtiger Aspekt soll noch genannt werden: Die Hoffnung. Wenn es gelingt die Menschen von der Notwendigkeit und den Vorteilen eines neuen, klimafreundlichen Lebensstils zu überzeugen, und sie erleben, dass individuelles und gemeinsames Handeln eine große Bedrohung abwendet, dann verbindet das und macht Hoffnung. Wir brauchen Zuversicht und das Gefühl von globaler Verbundenheit, wenn wir die Herausforderungen der Zukunft meistern und Verantwortung für den gemeinsamen Lebensraum tragen wollen.

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10. April 2010 - 20:39